Nov 152012
 

Ein Meldung von Digital Music News schlug ein wie eine Bombe und heizt die Diskussion, ob Streaming Services Album Verkäufe kannibaliseren, weiter an. Grossbritanien gilt eigentlich als robuster Markt, jedoch zeigt sich dieses Jahr nach dem launch von Spotify, die sich in Großbritanien großer Beliebtheit erfreuen, erstmals ein Rückgang der Album Verkäufe physikal und digital in zweistelliger Prozenthöhe. Gleichzeitig stieg die Zahl der gestreamten Tracks von 2011 1.1 Milliarden auf 2012 7.5 Milliarden Streams. Nicht zu vergessen die 250 Mrd. Streams auf Youtube im selben zeitraum.

Die Labumverkäufe sind niedrig wie nie. So hat z.B. das neuste Album von Rihanna, Talk That Talk, die Nummer Eins der Album Charts erreicht, und das mit nur  9,578 Physical und Digital verkauften Einheiten, ein bisheriger Niedrigrekord zum Einstieg auf Platz eins.

Für Großbritanien, als einer der Hauptbrutstätten für neue Künstler und Bands bedeutet das einen Rückgang der Band. die „es schaffen“, wenn man Verkäufe als ein Kriterium dafür nimmt.

Sind Alben Konzepte einfach nicht mehr das, wnach der Konsument verlangt? Und besteht die Chance, dass Digital den Rückgang der Verkäufe kompenseren kann? Zwar sind die digitalen Verkäufe der großen Alben auch rückläufig, aber die Single Track Downloads sind um 6% und die digitalen Verkäufe der kleineren Alben sind um 17% gestiegen…

 

Mai 202012
 

DJ Shadow ist sicherlich einer der vielseitigsten Künstler, die im Moment aktiv sind und der in den vergangenden Jahren einen bemerkenswerten Output an Veröffentlichungen hatte und immer noch hat. Seine Agentur Famehouse hat sich überlegt, wie man diese Vielfältigkeit sozial in die Zielgruppe kommunizieren kann. Sie setzen einfach jeden Veröffentlichung und Kollaboration im zeitlich richtigen Zusammenhang als Posts in die Timeline von DJ Shadow und bieten so den mehr als 620k Fans direkten Zugriff auf die komplette Diskografie des Künstlers. Durch die Möglichkeit des Taggings zu anderen Künstlern wird die Reichweite immens erhöht und durch die Verlinkung zu externen Quellen wie Künstler Webseiten, Händlern, Musikportalen wie Discogs etc. stellt diese Art der Präsentation einen großartigen Einstieg in die musikalische Welt dieses Künstlers da. Dies lässt sich ohne weiteres auf andere Künstler übertragen und der Marketing bezogenen Ausrichtung sind da kaum Grenzen gesetzt.

Und wie erfolgreich war diese Aktion für DJ Shadow? Der Screenshot unten gibt einen kleinen Einblick, die Fans können die einzelnen Alben kommentieren und stoßen so auf Veröffentlichungen, die sie vielelicht noch nicht kannten. Und können sich aktiv in Diskussionen involvieren. Was bietet mehr Interaktion als eine solche Aktion?

Obwohl Social Commerce bislang im Musikbereich noch keine große Rolle spielt, weil sich die User nicht zum einkaufen auf facebook treffen, kann eine Verlinkung in jedem Post zum Artiststore ein idealer Ausgangspunkt für eine Konversion darstellen. Bei DJ Shadow verlinken die einzelen Posts immer direkt zur Künstlerseite und bieten dort eine Kaufmöglichkeit. Wer dem einzelnen Post mehr Raum für verweisende Inhalten und Links gibt, kann das Postential einer solchen Aktion natülich weiter ausschöpfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein ähnliche Konzept verfolgte Spotify im April 2012 zur Zeit des Deutschland Launches des Musikservices. Sie stellten einen großen Teil ihrer Release online und zeigten damit 1000 Jahre Musikgeschichte als Zeitstrahl zum reinhören, angefangen 1001 bis heute. Spotify zeigte damit ihre Katalogtiefe und animierte User dazu, die App zu testen und an der automatisierten Accounterstellung teilzunehmen. Durch die Integration von Spotify in Facebook führt das zu einem riesigen Entdeckungspotential samt viraler Verbreitung.

Mrz 132012
 

 

 

 

 

 

 

 

Ab heute ist SPOTIFY offiziell in Deutschland gestartet, wer den Service noch nicht kennt, die Begrüßung Playlist ist hier, einfach mal ausprobieren.

Spotify ist ja wie alle ad supported Streaming Services sehr umstritten, insbesondere bei den Labels, aber auch bei den konkurrierenden Downloadportalen. Am Letzten Donnerstag war ich auf einem Panel auf der Cebit eingeladen, was sich mit dem Thema Verkauf vs. Nutzung beschäftigt hat. Teilnehmer waren Gerd Leonhard, der mit seinem Buch Die Zukunft der Musik – Warum die digitale Revolution die Musikindustrie retten wird vor in paar Jahren das Ende der Kontrolle propagiert hat und auch heute noch sich für eine quasi Abschaffung des Copyrights ausspricht. Weitere Panel Teilnehmer waren Thoasten Schliesche von Napster, kürzlich von Rhapsody übernommen, ein früher Player im Streaming Markt und der Marketing Manager von Juke, einer weiteren Streaming Plattform der Mediamarkt/Saturn Gruppe, die kürzlich in Deutschland live gegangen ist. Angeprangert wurde von Gerd und Thorsten die Forderungen der Musikindustrie nach Mindestvergütungen und damit der Schaffung von wirklich Nutzerfreundlichen Verwertungsmodellen im Markt. Spotify, die Anteile, sog. Equity Shares an die Majors gegeben haben sollen, würden mit ihren Preisen die Konkurrenz unterbieten (so Thorsten Schliesche), Gerd Leonhard ist das Preismodell immer noch zuviel und Juke stand außen vor und verläßt sich auf die kommende Präsenz von Juke „in der Fläche“, also am Point Of Sale in den Saturn Märkten. Ansonsten gibt es an Streaming Diensten in Deutschland noch Simfy, die nicht wirklich präsent sind, sowie die kürzlich in Deutschland gestarteten Services DEEZER und RDIO, die beide keine Free Version anbieten, und eigentlich auch nur in der Beta Phase in Deutschland agieren. So ist neben Simfy eigentlich nur Spotify mit einer Werbefinanzierten Lösung am Start. Wenn man sich die Konversionsraten zu Premium in den anderen Ländern anschaut, scheint diese Strategie auch aufzugehen. Ad Suported Revenue, so sind sich auch die meisten einig, wird langfristig nicht als ausschließliche Lösung funktionieren, so sind die Einnahmen noch zu gering. Spotify genießt jedenfalls in der Branche schon eine gewisse Bekanntheit und hat schon in anderen Ländern bewiesen, dass sie einen MArkteintritt gut umsetzen können. Allerdings hat Spotify immer noch keine Gema Lizenz laut Golem, was natürlich etwas fragwürdig ist…

Spotify geht mit drei Tarifen online:

Spotify Free – ist der Gratis-Service, kostenlos und on-demand Zugang zu Millionen von Songs, werbefinanziert durch Banenr und später auch Audio Werbung.

Spotify Unlimited – enthält alle Features der Gratis-Version, ermöglicht Dir den Zugang zu Spotify auf Deinem Computer aber ohne Werbeunterbrechung. Kostenpunkt: 4,99 Euro im Monat.

Spotify Premium – bietet werbefreien Musikkonsum, höhere Klangqualität und Zugriff auf jede Menge exklusiver Inhalte, Gewinnspiele und Sonderangebote. Der clou ist der Offline Use auf dem Desktop und Mobieltelefon. Premium kostet 9,99 Euro monatlich.

 Und was ist nun zu tun als Musiker und Label?

Spotify ist und bleibt umstritten, was das Einkommen für den Musiker angeht. Allerdings, so sind sich viele einig, wird sich das ändern, je mehr User den Service nutzen, insbesondere den Premium Service. Ich habe ja schon in einem Post Strategien skizziert, wie man Spotify nutzen kann (Release Strategien auf Spotify).  Ansonsten kann man auf der PR Welle reiten und als First Mover einen Labelaccount anlegen, und Playlists über seine DTF Kanäle verbreiten und so User zum streamen animieren. Denn eins sollte man nicht unterschätzen: Streaming Services wie Spotify bieten mit ihrer Gratis Version eine echte Alternative zu Piraterie Angeboten, wenn es um das entdecken von Musik geht und wer die Vorzüge eines Premium Accounts kennengelernt hat, will diesen schon bald nicht mehr missen. Und entdecken kann man als Label und Musiker versuchen zu fördern, besonders, wenn man einen Service nutzt, der erst einmal kostenlos ist. Und: Wer sich einen Download kauft, vergütet den Künstler nur einmalig, ein Spotify user andauernd, jedesmal, wenn er einen Track anhört. Wer als Musiker natürlich keinen Erfolg hat, wird weder auf Streaming Services noch im CD Markt ein Einkommen generieren.

Jan 172012
 

Die Debatte ist eigentlich nicht neu, zumal Spotify, Deezer, Simfy etc. schon seit einer ganzen Weile in Europa am Start sind (Spotify zwar noch nicht in Deutschland, aber nach dem Launch von Deezer nur noch eine Frage der Zeit). Doch nichts hat die Debatte so angeheizt, wie der US Launch von Spotify und die damit verbundenen Gerüchte, dass Künstler wie Coldplay, Black Keys und Adele ihre aktuellen Alben nicht auf Streaming Services stellen, um ihre Album Verkäufe nicht zu gefährden… Natürlich steht es jedem Künstler frei, seine Alben dort zu veröffentlichen bzw. zurückzuhalten wo er möchte. Aber für wen macht das eigentlich Sinn? Vielleicht muss man ein Coldplay sein: Die Nummer 5 der Album Charts (Coldplay) in den US letzte Woche hat  weniger als 30.000 Einheiten verkauft, also wie lange sollte man ein Album zurückhalten, bevor man es auf Streaming Services veröffentlicht? Fakt ist, dass es sich sicher ändern wird, wenn Streaming Services größere Marktanteile erreichen werden.

Für „große“ Bands ist es eine einfache Rechnung: Wie lange kann ich ein Album zurückhalten, bis es an die Hauptkäufer abverkauft, bevor ich es (bspw. durch Streaming Services) einer größeren Masse zur Verfügung stelle, um bspw. meinen bekanntheitsgrad zu erhöhen, meine Tourdates promote etc. Oder genauer: Wieviel Alben muss ich digital + physikal verkaufen, um das investierte Geld für die Produktion und das Marketing wieder zu recoupen, idealerweise in den ersten Wochen nach Releasedate, bevor ich es auf Streamingservices stelle. Das wäre dann bspw. Teil einer Strategie, wo ich den ersten Teaser Track zwei Monate vor VÖ als Free Download anbiete, gefolgt von einer Single mit Video einen Monate vor Album VÖ, den exlkusiven Album Stream eine Woche vor VÖ und das Liveschalten auf Streaming Services vier Wochen nach Album VÖ.

Das impliziert allerdings drei Dinge: 1. Der Glaube an die Kanibalisierung der Downloads- und CD Verkäufe durch Streaming Services und 2. Der Glaube daran, dass die Fans das CD Album eher kaufen, wenn sie es nicht vorher anhören können 3. Das Vertrauen, dass die Nachfrage stark genug ist bzw. einen kritischen Punkt erreicht hat, um auf eine größere Reichweite von (Free) Streaming Services zu verzichten.

Gut, sicherlich macht eine Zurückhaltungsstrategie für einige Künstler Sinn, insbesondere im Chart Bereich. Jedoch muss sich jeder Gedanken machen, wo ein Album hinsichtlich der drei o.g. Punkte steht. Unter Umständen lässt ein Album viel höhere Verkäufe zu, wenn es von mehr Leuten gehört wird. Alternativ zum späteren Release gibt es auch die Möglichkeit, weniger Tracks zu veröffentlichen, was dem Album Konzept natürlich etwas widerspricht. Allerdings sind viele Alben heutzutage eh nicht wirklich ein einheitliches Gesamtkonzept bzw. entscheidet der Konsument, welche Tracks er überhaupt haben möchte (schaut man sich einmal Verkäufe auf iTunes an, mag es u.U. verblüffend sein, wie wenig teilweise Alben im Vergleich zu Einzeltracks gekauft werden. Und der Konsument bzw. insb. der Fan möchte vielleicht das Album vorher streamen, bevor er es sich „kauft“. Der im Musik Marketing hochstilisierte „hardcore Fan“ ist unter Umständen verärgert, wenn man ihn einschränkt in der Art, wie er Musik entdecken kann, insbesondere, weil die Gründe für eine Selektion der Outlets in Hinblick auf Streaming Services stark wirtschaftlichen Charakter haben. Und das können sich nicht viele Künstler leisten.

Wo wird das hinführen? Vielleicht stellt man sich diese Fragen in ein paar Jahren nicht mehr, da die Unterscheidung des Formats obsolet ist oder die Strategien sind weitaus ausdifferenzierter als heute. Wie findet man es heraus? Indem man verschiedene Strategien testet und die (vorerst) beste für sich findet…