Mrz 042015
 

Die Skandinavischen Länder sind aus einigen Gründen seit einiger Zeit Modelmärkte für die neue Musikindustrie. Zum einen gelten sie mit der starken Verbreitung von Spotify und WIMP Pioniermärkte für die neuen Streamingservices (obwohl Napster und Rhapsody schon Jahre vorher in Deutschland, UK und den USA etabliert waren) und gleichzeitig als Heimat von der mittleweiler offline gegangenen Plattform Piratebay als Mustermarkt der Piraterie.

Norwegens physikalischer Musikmarkt gilt unter europäischen Musikunternehmen mitllerweile als nicht mehr existent Mangels geeigneter Vertriebe und Läden.

Nun hat die norwegische Fraktion der IFPI im Dezember 2014 die alljährliche Studie zur Entwicklung des Norwegischen Musikmarktes veröffentlicht. Diese zeigt, dass nur noch 4% der Norweger unter 30 Jahren file sharing Plattformen nutzen, um auf Musik zuzugreifen, der Gesamtumsatz ist in den letzten Jahren leicht gestiegen.

Es ist sogar so, dass weniger als 1% dieser Gruppe Filesharing als deren Hauptnutzungsquelle für den Musikkonsum benutzen.

Quelle: IFPI Norway
Quelle: IFPI Norway

“In den letzen fünf Jahren haben wir sozusagen das illegale file-sharing von Musik eliminiert” sagt Marte Thorsby von der IFPI NORGE.
Waren es 2009 noch 80% der befragten Gruppe, die illegal ge-downloaded haben, sind es 2014 nur noch 4%.

Der Grund für diese rapide Abnahme scheint klar: Die jungen Menschen in Norwegen haben eine weit bessere Option. 75% des Umsatzes der norwegischen Musikindustrie kommt vom Streaming Services wie Spotify und Tidal/WIMP.
Der IFPI Report stellt fest, das 80% der Menschen unter 30 Jahren in Norwegen Streaming als die Hauptquelle für Musik nutzen.

Marte Thorsby fügt hinzu: “Wir haben es geschafft, der Musikindustrie eine gesunde Verwertungsmöglichkeit zu bitten. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass wir uns nach wie vor in den Babyjahren des Musikstreamings befinden und wir weitreichende Veränderungen in den nächten Jahren sehen werden.“

Natürlich ist Norwegen ein Verhältnismäßig kleiner Markt mit Modellcharakter. Aber wenn diese Entwicklung repräsentativ für die anderen großen Musikmärkte sein sollte, wird sich zeigen, was alles noch möglich sein wird.

Interessant wird die nahe Entwicklung in Russland sein, welches kurz vor einer neuen Copyright Gesetzgebung steht und damit die rechtliche Grundlage für den weit verbreiteten illegalen Musikmarkt entziehen wird.

Quelle: IFPI Norway

Quelle: IFPI Norway

Nov 012014
 

Die Recording Industry Association of America (RIAA) hat letzte Woche eine Liste der größten Piracy Sites veröffentlicht. Den größten Zugang bzw. Eintritt bietet allerdings nach wie vor GOOGLE als die größte Suchmaschine, die ironischerweise aber nicht in der Liste auftaucht. Was man dagegen tun kann, kannst du in diesem Artikel erfahren.

Warum werden Musik und Filme eigentlich so massenhaft geshared?

Wer denkt, dass das sharen von Musik fast ausschließlich von Musikliebhabern vorangetrieben wird und und gewissermaßen gemeinnützige Motive, a la Information und Freiheit im Internet, „sharing is caring“ dahinter stehen, irrt sich.
Fakt ist, das Musik und Film Piraterie ein riesen Geschäft sind, und zwar nicht nur für die Services und Seiten, die die Dateien hosten, und ihr Geld über Werbeeinnahmen und Premium accounts verdienen, die den Usern mehr Bandbreite und Download Kapazität zur Verfügung stellen, sondern auch für die End User auf diesen Seiten.
Ein klares Indiz dafür ist die Geschwindigkeit, mit der sich geleakte Inhalte verbreiten. Die Funktionalität dahinter ist ein Belohnungssystem, das den Usern, die Inhalte zur Verfügung stellen je nach Anzahl der Downloads Credits oder sogar gleich monetäre Belohnungen gibt.
Sobald nun eine Datei geleakt ist, wird diese sofort von einer großen Anzahl von Usern dupliziert und auf die ihren Accounts hochgeladen, damit ihr File möglichst oben in den Suchergebnissen von Google und Filesharing Suchportalen landet, um dann möglichst viele Downloads zu generieren und damit Geld zu verdienen. Daher ist der erste Leak, den man findet innerhalb von wenigen Stunden so oft dupliziert worden, das man, bevor diese in Suchmaschinen erscheinen, kaum noch eine Chance hat, die Verbreitung einzudämmen.
Mittlerweile bietet Google die Möglichkeit, Suchergebnisse, die gegen Urheberrechte verstoßen, entfernen zu lassen, unter https://www.google.com/webmasters/tools/dmca-notice, allerdings kann das recht mühselig werden, weil die Anzahl der Sucherergebnisse bei gewisser Popularität schnell vierstellig werden kann. Ähnlich verhält es sich mit dem Entfernen von Links von File Sharing Sites und Torrent Suchmaschinen.
Wer schon einmal versucht hat, die Verbreitung einer Datei zu stoppen, indem er manuell auf Seiten gegangen ist um dort DCMA Takedowns über entsprechnede Kontakt Formulare zu generieren, wird schnell gemerkt haben, dass dies ein Kampf gegen Windmühlen ist. Insbesondere weil die Seiten 24 Std. Zeit haben, Links zu entfernen, bis dahin ist er weiter in Verbreitung. Um wirklich effektiv und möglichst lückenlos die Verbreitung einzudämmen, ist professionelle Hilfe unumgänglich.
Ich habe in den letzten Jahren einige Anti-Piracy Services getestet und ausgiebig genutzt und möchte euch hier drei vorstellen, die ich für empfehlenswert halte. Ich habe mir auch viele andere gestestet, bspw. Web Sherrif, der viel von Major Labeln verwendet wird, sher effektiv aber auch sehr teuer ist. Viele Services waren auch einfach zu kompliziert in der Bedienung. Leider hat kein einziger Service, mit dem ich bisher gearbeitet habe, alle Files gefunden und teilweise habe ich bei größeren Projekten in den ersten Wochen nach VÖ auch schonbmal zwei oder drei Services parallel darauf angesetzt. Einen 100% Schutz gibt es auch nicht. Erschwert wird die Suche auch durch unzählige Fake Piraterie Seiten, die zwar vorgaukeln, einen Track zu hosten, aber es nur auf die Kreditkartendaten der User abgesehen haben.

Welche Services können nachhaltig Piraterie für  Musik eindämmen?

Folgende Anti Piraterie Services habe ich ausgiebig gestestet und nutze sie derzeit auch. Warum nutze ich nicht nur einen? Die Preise differieren erheblich und je nach Projekt sind bestimmte Funktionen wichtiger oder besondere Effektivität wichtig.

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1. Muso

Muso ist eine britische Firma und bietet vollautomatsiche Takedowns für Musik, Software und Filmfiles. Neben der Möglichkeit, Dateien von Filehostern zu entfernen, können sie auch Torrent Suchergebnisse löschen, sowie Einträge auf Google entfernen. Muso ist einer der günstigsten Anti Piracy Service, den ich gefunden habe. Er startet bei einzelnen Tracks für 6 £ pro Monat, EPs für 12 £, Alben für 25 £ und ganze Künstler Kataloge für 55 £ pro Monat, alles mit unlimited Takedowns.

Die Erkennung der Dateien erfolgt über Namen, das kann bei Veröffentlichungen mit allgemeineren Namen schonmal zu verfälschten Suchergebnissen führen und die Trefferquote ist dort geringer. Es lassen sich aber relativ einfach Alben anlegen und inenrhalb weniger Stunden erscheinen schon die ersten Links, die entfernt werden können.

Pro: Preis, Bedienbarkeit

Contra: Findet nicht alles, sehr automatisiert und offensichtlich keine Suche durch Menschen, Support Kommunikation etwas träge

 2. Audiolock

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Audiolock ist eine britische Firma, die zu Trackitdown (einem Dance Download Store) gehört und in letzter Zeit ziemlich stark in den Markt drängt und viele Kooperationen eingeht, um neue Kunden zu gewinnen. Zielgruppe sind hauptsächlich Dance Labels („Beatport Fraktion“) und alle, die Singles vermarkten. Es lassen sich zwar auch Alben integrieren, aber die Abrechnung erfolgt auf Trackbasis. Ein Frontline Track Protektion kostet 5 £ pro Monat und track, ein Back Katalog Track 1 £ (wird nicht so oft gescannt). Audiolock arbeitet mit Fingerprints, d.h. man muss die zu schützenden Tracks hochladen. Das ist erstmal umständlicher, aber dafür werden gefundene Files analysiert und geprüft, ob wirklich der Track hochgeladen wurde.

Eine Zusatzfunktion, die wirklich gut durchdacht ist, ist das Watermarking. D.h. es lassen sich Promodownloads erstellen für DJ oder Pressepromo (1 pence pro Track Watermark) und über das eingebaute Promotool versenden. Falls nun ein illegaler Download erkannt wird, lässt sich gleich feststellen, ob er aus einem Promo Aussand kommt und falls ja, wer der Verursacher ist. Für DJ Aussände bei potentiellen Top 10 Beatport Tracks sehr nützlich.

Neben Filesharing Downloads bietet Audiolock auch Youtube und Soundcloud Takedowns sowei Löschungen aus dem Google Index an.

Pro: Effektivität, Zusatzfunktionen, Transparenz / Reporting

Contra: Preis

3. Ripblock

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Ripblock ist der älteste Anti Piracy Service mit dem ich arbeite und Carl und Lee haben wirklich eine effektive und leicht zu bedienene Plattform aufgebaut. Die Funktionalität ist einfach, man gibt einfach seinen zu schützenden Release über ein webformular ein, zahlt per paypal und fertig. Dann kommt das Monitoring und dann automatischer Takedown, sobald etwas leaked. Preislich liegen sie bei 25 £ pro Woche und release, wobei es auch möglich ist, erstmal nur zu monitoren und sobald der erste LEak aufpoppt, fragen sie nach und man kann Takedowns aktivieren. Überhaupt ist die Kommunikation sehr gut mit den Mitarbeitern, man kann seine Wünsche mit denen besprechen (z.B. dass sie bitte alles monitoren sollen und Bescheid geben, wenn etwas leaked), bei mehreren Projekten Sonderpreise oder Flatrates aushandeln etc. Insgesamt ist es der einfachste zu bedienende Service, weil sie einem alles abnehmen, für Leute mit wenig Zeit und Lust, sich drum zu kümmern ideal. Und falls man doch noch etwas findet reicht eine kurze mail  mit dem Link und sie nehmen es auf.

Pro: Bedienbarkeit, Service, Kommunikation, unlimited Takedowns

Contra: Preis

Zu welchem Zeitpunkt sollte man eine Veröffentlichung vor Piraterie schützen?

Sobald man die erste Promo rausgeschickt hat, oder bei wirklich großen Veröffentlichungen sobald das Album ins Mastering geht (ich hatte schon mit Piraterie zu kämpfen von Audio Dateien, die aus dem Mastering Studio entwendet wurden), sollte man einen Service ansetzen.

Ich mache das meist so, dass ich einen Service monitoren und inital Takedown durchführen lasse. RipBlock bietet sich für sowas gut an. Bei Singles ist Trackitdown die erste Wahl und möchte ich einfach mehrere Katalog Alben schützen, oder nach der Initialen VÖ Periode Piraterie eindämmen, wäre Muso ein guter Partner. Die für Piraterie anfälligste Zeit ist je nach Größe der VÖ aber die Wochen um das VÖ DSatum, weil dort auch die mediale Präsenz und die Nachfrage am größten ist.

Was bringt Anti Piracy?

Es wird sicher immer eine große Gruppe von Menschen geben, die einfach kein Geld für Musik ausgeben wollen und wenn sie es nicht umsonst bekommen, einfach darauf verzichten. Die wird man durch solche Massnahmen auch nicht unbedingt zum Umdenken bringen können. Aber man kann es ihnen einfach schwerer machen und es muss schon frustrierend sein, wenn man auf der Suche nach einem download die zehnte Seite in Folge anklickt, wo es heißt „File wurde entfernt“.

Ein gr0ßer Vorteil heute ist, dass es immer mehr zwischen dem Kauf einer CD und em illegalen Download gibt, man kann sich Tracks auf Youtube anschauen oder sogar auf Streamingservices für wenig Geld oder sogar „umsonst“ weil werbefinanziert, anhören. Also selbst wenn man ein Album nicht kaufen möchte gibt es viele legale Angebote, um Musik kostenfrei zu konsumieren. Wenn auch im Austausch für etwas Aufmerksamkeit.

 

 Die 50 momentan größten Piraterie Seiten laut der RIAA

1. vKontakte (Die russische Version von Facebook, aber nicht Facebook)

2. EX.UA

3. The Pirate Bay

4. KickAss.to (formerly Kat.ph)

5. Torrentz.eu

6. Bitsnoop.com

7. ExtraTorrent.cc (formerly ExtraTorrent.com)

8. Isohunt.to

9. Zamunda & Arena.bg

10. Torrenthound.com

11. Fenopy.se

12. Monova.org

13. Torrentreactor.net

14. Sumotorrent.sx

15. Seedpeer.me

16. Torrentdownloads.me

17. 4shared.com

18. Uploaded.net

19. Oboom.com

20. Zippyshare.com

21. Rapidgator.net

22. Turbobit.net

23. Ulozto.cz

24. Sdílej.cz (previously CZShare.cz)

25. HellShare

26. Warez-dk.org

27. Freakshare.com

28. Bitshare.com

29. Letitbit.net

30. 1fichier.com

31. Filestube.to

32. Music.so.com

33. Verycd.com

34. Gudanglagu.com

35. Thedigitalpinoy.org

36. Todaybit.com

37. Chacha.vn

38. Zing.vn

39. Songs.to

40. Boerse.to

41. Mygully.com

42. Wawa-mania.ec

43. Bajui.com

44. Goear.com

45. Pordescargadirecta.com

46. Exvagos.com

47. Degraçaémaisgostoso.org

48. Baixeturbo.org

49. Hitsmp3.net

50. Musicasparabaixar.org

Nov 062012
 

Online Piraterie im Musik- Film und Software Business ist nach wie vor ein großes Thema. Die Zeiten von Napster als P2P Plattform sind vorbei, wo die User aus fast altrusistischen Motiven ihre Files geshared haben (ok, das ist jetzt etwas romatisch verklärt).

Piraterie heute ist weitaus komplexer, es gibt nicht die Contentindustrie auf der einen und die bösen P2P Plattformen auf der anderen Seite, vielemehr gibt es viele Gruppen und Firmen und auch User, die davon profitieren. Auf der anderen Seite die Contentinhaber, deren Interessensvertretern und dazwischen große Internetfirmen, die an allem verdienen.

Zusammengefasst in dieser schönen Infografik, die einen Einblick in die Komplexität der Beziehungen gibt.

Viel Spass!