Jun 152011
 

Soziale Netzwerke bieten Musikern weitreichende Möglichkeiten für ihre Vermarktung, das einzige Problem ist, das dies leider dem Großteil der Bands und aufstrebenden Künstlern nichts bringt. Die Masse und die niedrigen Barrieren führen zu einem Überangebot. So Dan Morgan auf www.musicthinktank.com, der mich zu diesem Post animiert hat.

Myspace zeigt hier schonmal, wo das Problem liegt. Bisher war es doch so, das man davon überzeigt war, dass man unbedingt 50 000 Freunde auf Myspace braucht, um relevant zu sein (die meisten der Freunde waren jedoch auch Musiker, die wiederum dein freund waren, um selbts Freunde zu haben). Und wer jemals Herr eines solchen 50k Profil war, hat schnell gemerkt, was das bringt: Herzlich wenig. Es ist ein Fake Markt, und die Anzahl der Freunde sagt nichts oder wenig über den (kommerziellen) Erfolg einer Band bzw. Musiker aus. (Wobei in der Praxis sicherlich der ein oder andere A&R bei der Einschätzung der Kommerzialität einer Band bzw. Musikers sicherlich auf den „Friend Factor“ geschielt hat. Mittlerweile spielt Myspace aber so gut wie keine Rolle mehr bei der Beurteilung von Nachwuchskünstlern).

Ein großer Teil von Musikern nutzt Soziale Netzwerke, um ihre Fanbase aufzubauen und ihre eigene Karriere zu starten. Aber ohne entsprechende Investitionen und Marketing Know How ist es für eine Band sehr schwierig, in das öffentliche Sichtfeld vorzudringen. Es ist nicht unmöglich, aber ziemlich schwierig und langwierig.
So sehr Musiker dies verneinen, statistisch gesehen brauchen sie die Hilfe einer Plattenfirma an einem gewissen Punkt. Und da stellt sich die Frage: Helfen die sozialen Medien dabei, von der Musik Industrie entdeckt zu werden? Und in wie weit spielen „Direct to Fan“ Tools eine Rolle bei der Gewinnung neuer Zielgruppen und den Absatz über Social Commerce?

Ja, es kann. Aber da ist auch ein Problem: 99% der Musik auf Sozialen Netzwerken ist Schrott. Ein Song, der vor Jahren von einer Band hochgeladen ist immer noch da, im Wettbewerb mit Millionen anderer Songs in einem Meer von schwach komponierter und produzierter Musik. Dieses Übernagebot, oder „Rauschen“ macht es Musiker schwer, entdeckt zu werden (weil es die Arbeit der A&Rs erschwert).

Die Musikindustrie und speziell der A&R hat täglich mit diesem Rauschen zu tun. Entgegen der heutigen Meinung, machen Musikfirmen und A&Rs nämlich mehr, als nur neue Musik zu entdecken, sie müssen sich auch um ihre Stammkünstler kümmern und diese vermarkten, also ihre Zeit auch gut einteilen. Sich durch Millionen potentieller Hits zu hören oder auch die tausenden unaufgefordert zugeschickten Demos zu wühlen ist daher reine Zeitverschwendung.

Was ist also die Antwort?

A&Rs suchen natürlicherweise dort, wo so wenig wie möglich das „Rauschen“ der Millionen von Songs zu hören ist bzw. kein Überangebot anzutreffen ist: Es gibt einige Websites, die Musiker helfen, dieses Rauschen zu minimieren und A&Rs es leichter machen, Talente zu finden.

Lasst uns hierzu einige Websites anschauen:

Social Media Dienste, die helfen Musik an den A&R zu bringen

Tracks and Fields

 

 

Tracks & Fields ist eine Berliner Firma, die vor etwa zwei Jahren mit einer Kollaborations Plattform gestartet ist und hauptsächlich eine Schnittstelle bieten möchte, um Musiker mit Werbeagenturen bzw. Filmproduktionen zusammenbringen möchte. Es geht also hauptsächlich um das sog. Synch Business.

Was bringt es nun Musikern hinsichtlich ihrer „Entdeckung“ dort präsent zu sein? T&F bietet eine professionelle Plattform, seine Musik zu produzieren und auch viele Labels haben dort ihren Account. Durch die Community Funktionalitäten können sich Musiker ein detailiertes Profil anlegen, vergange Kooperationen aufzeigen und Labels direkt ansprechen.

Sound Cloud

Die sehr populäre Audio Sharing Seite Sound Cloud (sie haben nach eigenen Angaben jetzt über 5 Millionen user) bietet A&Rs eine erhebliche Erhöhung ihrer Produktivität. Sound Cloud gibt ein zuverlässiges Bild von der Popularität eines Künstlers und deren Feedback in der Fanbase ab.

Das, womit Mypace eigentlich mal begonnen hat, nur das das zentrale Tool, der wirklich sehr fortschrittliche Sound Cloud Player dem ganzen einen viel Fan näheren Ansatz gibt. Die Interaktion mit der Fanbase mit Hilfe der Kommentar Funktion ist wirklich einmalig und auch zur Download Bemusterung oder auch zu Kampagnen a la „the first 1000 fans get a free download“ lässt sich der Player verwenden.

Soundcloud bietet ein Fremium Modell, der Basic Account ist umsonst, je mehr Funktionalitäten und Audiotracks man benötigt, desto größere Accounts muss man buchen.

Test it!

Audio Rokit

 

 

Audio Rokit verringert das Rauschen, indem es A&Rs einige Tools an die Hand gibt, nach neuen Talenten zu suchen. Musikfirmen können sich auflisten lassen, was sie suchen auf der Audio Rokit website und Musiker können passendes Material mit einem „State of the Art“ Song Pitching System hochladen.
Audio Rokit stellt auch eine Reihe von Tools zur Verfügung, die einem helfen, neue Song Submissions einzusehen und zu organisieren.
Dabei bezahlt Audio Rokit nicht wie andere Websites (wie Musicxray und Sonibids) den A&R für das Feedback sondern baut eher darauf, die Kommunikationsstrukturen zwischen A&R und Künstler weiterzuentwickeln.

„Status Ordner“ erlauben bspw. dem A&R einfach einen Musikvorschlag in einem Ordner abzulegen, was wiederum automatisch den Künstler eine Benachrichtigung schickt. Das macht den Song Submission Prozess für beide Seiten effektiver.

Remix Wettbewerbe auf Mixcloud

 

 

Eine andere Möglichkeit in den Focus von A&Rs zu gelangen sind sog. Mix Wettbewerbe auf Mixcloud. viele Labels bieten interessante Wettbewerbe (z.B. www.mixcloud.com/competitions/K7-Beatport-Competition/) mit Preisen und der Chance, in den Focus der A&Rs zu gelangen.

 

 

Direct to Fan tools

Neben den Tools mit denen man in den Focus der Musikindustrie gelangt, gibt es noch eine Reihe von „Direct to Fan“ tools, mit denen man seine Fanbase ausbauen und direkt an den Fan verkaufen kann. Grundsätzlich ist das Prinzip recht ähnlich: Es gibt kleine Tools für Data Capture um eine Kontaktbasis aufzubauen und die Möglichkeit kleine Player und sharing Tools zu viralen Verbreitung zur Verfügung zu stellen und den Fan dazu zu bewegen, eine Transaktion zu tätigen.

Dies sind einige populäre Services:

Band Camp

Band Camp bietet Bands die Möglichkeit, das „Rauschen“ für den A&R zu reduzieren, indem es einige gute Marketingtools zur Verfügung stellt, um die Fanbase auszunbauen. Und Fanbases sind wirklich wichtig. Man denke nur and den Friendcount bei Myspace. Ein Musiklabel investiert natürlich am liebsten in Künstler, die schon jemand kennt und die schon Fans an sich gebunden haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich bietet Band Camp auch Shop Funktionalistäten mit der schönen Besonderheit, das Fans den Preis bestimmen können. Das ist ein test wert, man denke nur an die Radiohead Kampagne, die ihr Album in dieser Weise angeboten haben.

Reverbnation

 

Reverbnation bietet ein ganzes Toolkit für Musiker, labels, Clubs und Fans, angefangen von der Profileseite, über Direktmarketing, Twittertools bis hin zur digitalen Distribution. Wirklich eindruckvoll. Aber wenn man vom Rauschen spricht kann man auch davon ausgehen, wie schwer es ist sich von den aktuell 1,4 Millionen Künstler abzuheben. Es lohnt sich aber, einen Blick auf Reverbnation zu werfen, schon allein, um sich von den Tools inspirieren zu lassen.

Rootmusic

Root Music ist ein weiterer Service, um seine Fans zu organisieren. Im Moment tut sich Rootmusic mit seiner Facebook App „Bandpage“ hervor, die sogar eine Integration des Topspin Stores ermöglicht.

Topspin Media

 

 

Topspin Media hat auch vor etwa zwei Jahren als geschlossenes System zur Direct to Fan Vermarktung gestartet und hat sich 2011 der Allgemeinheit geöffnet, d.h. jeder kann sich mittlerweile einen Account anlegen. Ich hatte schon einige Male die Gelegenheit, mich mit Shamal und Ian von Topspin über deren Ansatz und Funktionalitäten auszutauschen. Es geht auch bei Topspin darum, möglcihst viele Fan Connections aufzubauen, mit denen man kommunizieren kann (i.d.R. email im Austausch zu free tracks).

Zentrales Tool bei Topspin ist der Widget Store, der sich auf allen möglichen Blogs und Profilen und selbst auf Root Music Bandpages einsetzen lässt. Das highlight dieses Stores ist neben der einfachen Konfigurierbarkeit die Möglichkeit, gemischte Produkte (downloads + Merch + Cds) aufzusetzen und exclusive auch hochpreisige Pakete zu schnüren.

Dafür kassiert Topspin eine Monatliche Gebühr plus mind.10% aller Umsätze.

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Und wer ist die Zielgruppe solcher „direct to fan“ Services?

Ein Blick auf die TopSpin Seite zeigt schnell, wer der Hauptprofiteur solcher kleiner Bandstores ist: Die etablierten Künstler, wie Lady Gaga, Linkin Park, Paul McCartney, Fat Boy Slim oder Beastie Boys. Wobei die Zielgruppe auch die Tausenden kleinen Newcomer und kleinen Bands sind, da sie durch die Gebühren für die einzelnen Funktionen den Service finanzieren. Aber wie Anfangs erwähnt ist die Konkurrenz groß und ab einem gewissen Punkt lässt sich die Karriere nicht mehr selbst vorantreiben. Am schwersten haben es die Bands direkt an ihre Fans zu verkaufen, die schon einen kleinen Bekanntheitsgrad haben, vielleicht schon die ein oder andere CD veröffentlicht. Über Solche Services relevanten Umsatz zu erzeugen braucht etwas mehr, als den Widget Store auf sein Facebook Profil zu posten. Die meisten User, die im Netz unterwegs sind, kaufen nämlich bei „vertrauenswürdigen Outlets“, sei es itunes oder Amazon, wo sie sich sicher sein können, dass sie ihre Ware auch umgehend in der zu erwartenden Qualität bekommen werden und nicht auf den Praktikaten eines Minilabels warten müssen, bis der mal die Order mails bearbeitet.

Bei etablierten Künstler ist das dann wieder „authentisch“, der Fan stellt sich insgeheim vor, dass die Jungs von Sigur Rós selbst das Päckchen packen und vielleicht noch einen Gruß mit reinlegen. Die Nähe zum Künstler ist dann entscheidend…

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